Das größte Ex­periment der Anar­chie //

Das In­ter­net und ich

Es ist Pixelzeit. Seit 2002 gibt es mehr digital als analog gespeicherte Daten. Die Digitale Revolution hat sich also längst vollzogen. Sie fand statt, ohne dass ich damals viel davon gemerkt habe. Still und schleichend. Zu dieser Zeit steckte ich gerade in den letzten Zügen meines Studiums der Musik-, Medienwissenschaften und der Germanistik. Ich lernte meine Frau kennen. Es gab noch kein Facebook, kein Twitter und kein Youtube. Ich besaß noch nicht mal ein Handy und schrieb fast jeden Tag einen Brief.

Seither sind zwanzig Jahre vergangen. In der Menschheitsgeschichte ist das natürlich ein Witz. Wie ich kurz nach meinem vierzigsten Geburtstag feststelle: Selbst in der eigenen Lebensspanne ein erschreckend überschaubarer Zeitraum. Doch heute kann ich mir im Vergleich zu damals kaum vorstellen, wie ein Leben ohne Whatsapp überhaupt zu organisieren ist. Wie man Auto fahren soll ohne satellitengestützte Navigation? Einen Artikel verfassen ohne Google? Undenkbar. Mein Smartphone ist zu meinem ständigen Begleiter geworden. — So wie mir geht es Millionen.

Durch das globale Datennetz hat sich meine Kommunikation, mein Wissen, mein Selbstbild völlig verändert. Ich habe inzwischen eine Fortbildung als Web-Entwickler und Online-Marketing-Manager abgeschlossen und bin auf dem Weg nach fünfzehn Jahren produktiver Theaterarbeit eine neue berufliche Heimat in der digitalen Welt zu finden. Erst langsam beginne ich zu begreifen, was für eine allumfassende Umwälzungen die neue Epoche der digitalen Daten für uns alle mit sich bringt. Dabei ist es eben so wenig absehbar, wohin die Digitalisierung der Welt uns führt, noch können wir sie gänzlich begreifen. Zu komplex ist der digitale Kosmos, den wir geschaffen haben, und der nunmehr organisch um uns herum weiter wächst.

„Das Internet ist das erste von Menschenhand erschaffene Ding, das der Mensch nicht versteht. Es ist das größte Experiment der Anarchie, das es jemals gab.“

Eric Schmidt, ehemaliger Google-Chef

Überholt uns bald die künstliche Intelligenz? Wie wird uns das Internet der Dinge verändern? Werden Echokammern unserer demokratische Kultur zerstören? Werden sich die Märkte durch den Online-Handel gänzlich monopolisieren? Oder wird das gewonnene Wissen uns bald dazu befähigen, diesen Planeten zu retten, ihn gar zu verlassen oder den Tod zu besiegen?

Vielleicht passiert auch nichts von alldem, und die Zukunft bleibt so, wie sie heute schon ist. Der digitale Markt und die technische Innovation könnte bald schon auf ihre natürlichen Grenzen stoßen. Tatsächlich zeigen sich erste Anzeichen dafür. Seit 2017 zeigen sich Rückgänge in der Nutzung des Internets, des Online-Bankings, des E-Commerce und auch der Sozialen Medien.

Darüber nachzudenken jedenfalls, wie die digitale Welt unser Leben beeinflusst und welche technischen und kulturellen Prozesse dahinter stecken, finde ich sehr spannend. In diesem Blog möchte ich meine Faszination für dieses Thema mit Dir teilen und einen kleinen Blick werfen auf das größte Experiment der Anarchie. Schön, dass Du da bist! Herzliche Wilkommen auf PIXELFUTTERSebastian Zarzutzki